Abnehmen während der Periode: Warum die Waage lügt und was wirklich hilft

Abnehmen Menstruation

Laura Schneider von Laura Schneider

Ein paar Tage vor der Periode zeigt die Waage plötzlich ein bis zwei Kilo mehr, obwohl sich am Essen nichts geändert hat. Für viele Frauen fühlt sich das wie ein Rückschlag an, mitten in einer Phase, in der ohnehin die Lust auf Süßes steigt und die Hose spannt. Die gute Nachricht steht am Anfang, weil sie den ganzen Rest entspannt: Dieses Plus ist kein Fett und kein Versagen. Es ist Wasser, es gehört zum Zyklus, und es verschwindet von allein. Wer versteht, was in den Tagen vor der Blutung im Körper passiert, hört auf, gegen ein Phantom zu kämpfen.

Wasser oder Fett? Die entscheidende Unterscheidung

Die zyklische Gewichtszunahme von ein bis zwei Kilo vor und während der Periode ist normal und besteht aus eingelagertem Wasser, nicht aus Körperfett. Das beschreibt auch das Gesundheitslexikon von DocMedicus: Die Schwankungen entstehen durch den Hormonverlauf, nicht durch die Energiebilanz. Sobald die Menstruation einsetzt, spült der Körper das Wasser wieder aus, und das Gewicht sinkt in den Tagen danach von selbst zurück.

Für die Praxis heißt das zweierlei. Fettabbau läuft während der Periode ganz normal weiter, wenn Sie im Kaloriendefizit bleiben, er wird nur kurzzeitig von der Wassereinlagerung überdeckt. Und die Waage ist in dieser Zyklusphase schlicht kein verlässliches Messgerät. Wer ausgerechnet in den Tagen vor der Blutung den Erfolg einer Woche ablesen will, misst Wasser und zieht die falschen Schlüsse. Die Vorstellung, man könne während der Periode nicht abnehmen, ist ein Mythos: Der Fettabbau ist nur maskiert, nicht gestoppt.

Was im Zyklus passiert: Hormone und Phasen

Der weibliche Zyklus teilt sich grob in zwei Hälften. In der ersten, der Follikelphase, die mit der Periode beginnt und bis zum Eisprung reicht, sind die Hormonspiegel niedriger, das Wasser aus dem Vormonat ist ausgeschieden, und viele fühlen sich energiegeladener. In dieser Phase fällt Abnehmen oft subjektiv leichter, weil weniger Heißhunger und weniger Wassereinlagerung im Spiel sind.

Die zweite Hälfte ist für das Thema entscheidend. Nach dem Eisprung beginnt die Lutealphase, die etwa 12 bis 16 Tage dauert und in der Periode endet. In dieser Phase steigt vor allem das Progesteron, und das erklärt die meisten Beschwerden.

  • Wassereinlagerung. Der veränderte Hormonspiegel lässt den Körper mehr Flüssigkeit binden. Dazu kommt, dass die Glykogenspeicher in dieser Phase oft voller sind, und Glykogen bindet Wasser im Verhältnis von etwa eins zu drei. Jedes Gramm gespeicherte Kohlenhydrate zieht also rund drei Gramm Wasser mit, was auf der Waage schnell sichtbar wird.
  • Verdauung. Progesteron verlangsamt die Darmtätigkeit. Ein Blähbauch und ein Völlegefühl in den Tagen vor der Periode sind deshalb häufig und lassen den Bauch praller wirken, ohne dass dort Fett hinzugekommen wäre.
  • Grundumsatz. In der zweiten Zyklushälfte steigt der Grundumsatz moderat um etwa fünf bis zehn Prozent, weil Progesteron thermogen wirkt und die Körperkerntemperatur leicht anhebt. Sie verbrennen in dieser Phase also eher etwas mehr als weniger. Der Unterschied ist klein, aber er widerlegt die verbreitete Sorge, in der zweiten Zyklushälfte werde der Stoffwechsel träge. Wer in dieser Phase mehr Hunger verspürt, hat also nicht einen langsameren Stoffwechsel als Ursache, sondern die hormonell gesteigerte Appetitlage. Das ist ein Detail, das die meisten Ratgeber auslassen.

Woher die zwei Kilo konkret kommen

Zwei Kilo erscheinen viel für “nur Wasser”, aber die Rechnung geht schnell auf. Die volleren Glykogenspeicher binden bei einem Verhältnis von eins zu drei bereits mehrere Hundert Gramm zusätzliches Wasser. Die hormonell bedingte Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe kommt hinzu, ebenso ein schwererer, langsamer arbeitender Darm mit mehr Inhalt. Wer an diesen Tagen zusätzlich salzreich isst, lagert noch mehr Wasser ein. Aus diesen Posten summieren sich ein bis zwei Kilo, die nichts mit Fett zu tun haben und in der Woche nach der Periode wieder verschwinden. Die Zahl auf der Waage ist an diesen Tagen also keine Kalorienbilanz, sondern eine Momentaufnahme des Wasserhaushalts.

Heißhunger vor der Periode: woher er kommt

In der späten Lutealphase, kurz bevor die Blutung einsetzt, sinkt der Serotoninspiegel. Weil der Körper Serotonin aus dem Baustein Tryptophan über die Zufuhr von Kohlenhydraten leichter herstellt, meldet er Appetit auf Süßes und Kohlenhydrate. Das erklärt, warum die Schokolade an diesen Tagen fast von allein ruft. Diese Appetitsteigerung ist gut dokumentiert: Ein bis zwei Wochen vor der Periode berichten viele Frauen von deutlich mehr Hunger, was zum prämenstruellen Syndrom (PMS) gehört, wie es das öffentliche Gesundheitsportal gesundheit.gv.at beschreibt.

Der Heißhunger ist keine Charakterschwäche, sondern Hormonchemie. Das zu wissen, nimmt ihm einen Teil der Macht: Wer ihn kommen sieht, plant besser als jemand, der sich davon überraschen lässt. Ein Blick auf den Kalender genügt, um die anstrengenden Tage vorherzusehen und sich darauf einzustellen.

Was in welcher Phase hilft

Statt gegen den Zyklus zu arbeiten, lohnt es sich, mit ihm zu planen. Die Maßnahmen unterscheiden sich je nach Phase.

  • In der Follikelphase (nach der Periode): Die Zeit nutzen, in der Motivation und Energie meist höher sind. Anspruchsvolleres Training und ein etwas konsequenteres Defizit fallen jetzt leichter, und die Fortschritte auf der Waage sind ehrlicher, weil kein Wasser sie überdeckt.
  • In der Lutealphase (vor der Periode): Ausreichend trinken, auch wenn es widersprüchlich klingt. Wasser hilft dem Körper, überschüssige Flüssigkeit auszuscheiden, statt sie zu horten. Salz und stark verarbeitete Speisen moderat halten, weil Natrium die Wassereinlagerung verstärkt. Ballaststoffe und ausreichend Bewegung bringen die verlangsamte Verdauung in Gang und lindern den Blähbauch.
  • Gegen den Heißhunger: Nicht komplett dagegen ankämpfen, sondern klug ausweichen. Eine eiweiß- und ballaststoffreiche Mahlzeit sättigt länger und dämpft die Gier nach Süßem. Wer trotzdem Lust auf Schokolade hat, plant eine Portion bewusst ein, statt am Abend die ganze Tafel zu essen.
  • Rund um die Beschwerden: Magnesium wird bei PMS-Symptomen häufig genannt und steckt in Nüssen, Vollkorn und dunkler Schokolade. Sanfte Bewegung wie Spazieren oder Yoga tut den meisten in dieser Phase besser als ein hartes Training.

Konkret kann das so aussehen: Wenn abends die Lust auf Schokolade kommt, hilft ein Stück Zartbitterschokolade zu einem Magerquark eher als das Verbot, das man ohnehin bricht. Ein Tee, ein kurzer Spaziergang oder das Vorziehen einer sättigenden Mahlzeit fangen den ersten Impuls oft ab. Und wer weiß, dass diese Tage kommen, sorgt vor und legt sich sättigende Snacks bereit, statt in der schwachen Stunde nur die Chips im Schrank zu finden.

Ein Grundsatz bleibt über alle Phasen hinweg gleich: Sie müssen Ihr Kaloriendefizit während der Periode nicht aussetzen. Der Fettabbau läuft weiter, nur die Waage lügt ein paar Tage lang.

Wenn Sie ein Programm suchen, das den Zyklus mitdenkt: Reverse Health

Die meisten Abnehm-Apps behandeln alle Nutzer gleich und ignorieren, dass sich Appetit, Wassereinlagerung und Leistungsfähigkeit über den Zyklus verschieben. Reverse Health ist auf Frauen zugeschnitten und bezieht den Zyklus in Ernährung und Bewegung ein, statt gegen ihn zu planen. Für alle, die es leid sind, die hormonell bedingten Schwankungen als eigenes Versagen zu deuten, kann ein solcher Ansatz die Sache entspannen, weil er die Erwartungen an die richtige Stelle rückt. Anschauen lässt sich das Programm unverbindlich.

Reverse Health: ein Programm für den weiblichen Zyklus
Ernährung und Bewegung, die die Phasen des Zyklus einbeziehen, statt sie zu ignorieren. Unverbindlich anschauen.

Was essen während der Periode?

In dieser Zeit lohnt eine etwas klügere Auswahl innerhalb derselben Kalorienmenge, kein Verzicht auf das Defizit:

  • Eisenreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkorn, mageres rotes Fleisch und grünes Blattgemüse gelten in dieser Phase als sinnvolle Wahl, weil mit der Blutung auch etwas Eisen verloren geht. Vitamin C aus Obst oder Paprika kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen unterstützen.
  • Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn und Hafer halten den Blutzucker stabiler und dämpfen den Heißhunger sanfter als schnelle Süßigkeiten, die ihn kurz stillen und bald verstärkt zurückbringen.
  • Magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Samen und dunkle Schokolade werden bei Krämpfen und PMS-Beschwerden häufig empfohlen.
  • Warme, leicht verdauliche Gerichte wie Suppen oder gedünstetes Gemüse liegen vielen in dieser Phase besser als schwere, fettige Kost.

Sport während der Periode: auf den Körper hören

Es gibt keinen Grund, während der Periode auf Bewegung zu verzichten, im Gegenteil: Sanfte Bewegung lindert Krämpfe, hebt die Stimmung und bringt die träge Verdauung in Gang. In der Follikelphase nach der Periode sind viele Frauen besonders leistungsfähig, das ist die Zeit für intensivere Einheiten und Krafttraining. In den Tagen vor und während der Blutung sendet der Körper dagegen oft ein leiseres Signal: Spazieren, Radfahren in ruhigem Tempo, Yoga oder leichtes Krafttraining passen dann besser als ein Wettkampf gegen die eigene Bestzeit. Wer auf diese Signale hört, trainiert mit dem Zyklus statt gegen ihn und bleibt eher dran.

Wassereinlagerungen sanft reduzieren

Gegen das aufgeschwemmte Gefühl in der Lutealphase hilft weniger, als viele denken, und zugleich mehr, als man erwartet. Mehr trinken statt weniger ist der wichtigste Punkt, weil der Körper bei Flüssigkeitsmangel erst recht Wasser einlagert. Kaliumreiche Lebensmittel wie Bananen, Kartoffeln und Gemüse gelten als Gegenspieler des wasserbindenden Natriums. Bewegung bringt den Lymphfluss in Gang. Entwässerungstabletten dagegen sind der falsche Weg und gehören nicht in die Selbstbehandlung, weil sie den Wasserhaushalt durcheinanderbringen können.

Der wirksamste Schritt ist oft der einfachste: Salz reduzieren. Fertiggerichte, Wurst, Käse und salzige Snacks treiben die Natriumzufuhr hoch, und jedes Gramm Salz bindet Wasser im Körper. Wer in den Tagen vor der Periode bewusst frischer und weniger salzig isst, spürt das aufgeblähte Gefühl deutlich weniger. Auch entwässernde Lebensmittel wie Gurke, Spargel oder Wassermelone können unterstützen, ersetzen aber keine der Grundmaßnahmen.

Wann normalisiert sich das Gewicht wieder?

Sobald die Menstruation beginnt, fällt der Progesteronspiegel, und der Körper scheidet das eingelagerte Wasser aus. In den ersten Tagen der Periode bis kurz danach pendelt sich das Gewicht wieder auf den echten Wert ein. Wer den Trend sehen will, wiegt sich deshalb am besten immer zur gleichen Zyklusphase, etwa in der Woche nach der Periode, und vergleicht Monat für Monat diese Werte statt der täglichen Schwankungen. So misst man Fortschritt und nicht Wasser.

Manche Frauen bemerken den Effekt sehr deutlich, andere kaum, das ist individuell und hängt von Hormonlage, Ernährung und Salzkonsum ab. Wer die eigenen Schwankungen ein paar Monate beobachtet, bekommt ein Gefühl dafür, wie stark der eigene Körper reagiert, und kann die Waage entsprechend gelassener nehmen. Ein Zyklustracker oder ein einfacher Eintrag im Kalender hilft, die Wiegewerte der richtigen Phase zuzuordnen und Muster zu erkennen.

Und wenn Sie hormonell verhüten?

Wer die Pille oder ein anderes hormonelles Verhütungsmittel nimmt, hat oft einen gleichmäßigeren Hormonverlauf und dadurch weniger ausgeprägte zyklische Schwankungen. Manche Präparate begünstigen allerdings selbst eine leichte Wassereinlagerung, gerade in den ersten Monaten der Anwendung. Auch das ist in der Regel Wasser und kein Fett und pendelt sich meist ein. Ob ein Präparat zu Ihnen passt und ob eine Gewichtsveränderung damit zusammenhängt, klärt am besten Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt, weil das von Wirkstoff, Dosis und individueller Reaktion abhängt.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Zyklische Gewichtsschwankungen und leichte PMS-Beschwerden gehören für viele zum Monat dazu. Bei anhaltenden Beschwerden, sehr starkem PMS oder Anzeichen einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS), etwa ausgeprägten Stimmungstiefs, gehört das ärztlich abgeklärt. Sprechen Sie in diesen Fällen mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt, statt sich allein auf allgemeine Ratgeber zu verlassen. Auch eine ungewöhnliche, dauerhafte Gewichtsveränderung, die nichts mehr mit dem Zyklus zu tun hat, ist ein Grund, das ärztlich einordnen zu lassen.

Was Leserinnen oft fragen

Wie viel Gewicht nimmt man während der Periode zu?

Meist ein bis zwei Kilogramm, und zwar als Wasser, nicht als Fett. Das Plus entsteht durch die hormonell bedingte Flüssigkeitseinlagerung in der zweiten Zyklushälfte und verschwindet nach Beginn der Periode wieder.

Kann man während der Periode abnehmen?

Ja. Der Fettabbau läuft bei einem Kaloriendefizit ganz normal weiter, er wird nur kurzzeitig von der Wassereinlagerung auf der Waage überdeckt. Wer sich nicht von der Zahl verunsichern lässt, verliert genauso weiter wie im Rest des Zyklus.

Wann geht das Gewicht nach der Periode wieder runter?

Mit dem Einsetzen der Blutung fällt der Progesteronspiegel, und der Körper scheidet das eingelagerte Wasser aus. In den ersten Tagen der Periode bis kurz danach normalisiert sich das Gewicht in der Regel wieder.

Verbrennt man während der Periode mehr Kalorien?

In der zweiten Zyklushälfte steigt der Grundumsatz moderat um etwa fünf bis zehn Prozent. Sie verbrennen in dieser Phase also eher etwas mehr als weniger, auch wenn die Waage durch das Wasser das Gegenteil suggeriert.

Warum habe ich vor der Periode so viel Hunger?

Kurz vor der Blutung sinkt der Serotoninspiegel, und der Körper verlangt nach Kohlenhydraten, um ihn wieder anzuheben. Dieser Heißhunger auf Süßes gehört zum PMS und ist hormonell bedingt, keine Frage der Willenskraft.

Wann im Zyklus fällt Abnehmen am leichtesten?

In der Follikelphase, also in den ein bis zwei Wochen nach der Periode. Dann sind die Hormonspiegel niedrig, Heißhunger und Wassereinlagerung gering, und Energie wie Motivation oft höher als in der zweiten Zyklushälfte.

Sollte ich mich während der Periode wiegen?

Am besten nicht als Maßstab für den Erfolg. In dieser Phase zeigt die Waage vor allem eingelagertes Wasser. Ein aussagekräftiger Wert ergibt sich, wenn Sie sich immer zur gleichen Zyklusphase wiegen, etwa in der Woche nach der Periode, und diese Werte über die Monate vergleichen.

Ist es normal, während der Periode mehr zu essen?

Ja. In den Tagen vor der Blutung sinkt der Serotoninspiegel, und der Körper verlangt nach Kohlenhydraten. Ein gesteigerter Appetit ist in dieser Phase hormonell bedingt und normal. Wer eiweiß- und ballaststoffreich isst, hält den Hunger besser in Schach, ohne komplett zu verzichten.

Verschwindet das Wasser auch ohne mein Zutun?

Ja. Sobald die Periode einsetzt und der Progesteronspiegel fällt, scheidet der Körper die eingelagerte Flüssigkeit von selbst aus. Ausreichend trinken und weniger Salz können den Prozess unterstützen, nötig sind sie für die Normalisierung aber nicht.

Die Tage vor der Periode sind kein Grund, an sich zu zweifeln oder die Diät hinzuwerfen. Die Waage misst in dieser Zeit vor allem Wasser, der Körper arbeitet im Hintergrund weiter, und mit ein paar zyklusklugen Anpassungen lässt sich die Phase gut überstehen, bis sich das Gewicht von allein wieder einpendelt.


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *